Was ist ein Bohrer-Spitzenwinkel?
Der Spitzenwinkel eines Spiralbohrers ist der eingeschlossene Winkel, der zwischen den beiden Hauptschneiden (Schneidkanten) an der Spitze gebildet wird, gemessen über den gesamten Konus der Spitze. Wenn Sie einen Bohrer von vorn betrachten, bilden die Schneiden eine V-Form — der Winkel dieses V ist der Spitzenwinkel.
Warum er wichtig ist
Der Spitzenwinkel ist nicht kosmetischer Natur. Er steuert direkt drei entscheidende Bohrparameter:
- Vorschubkraft (Axialkraft): Ein schärferer (kleinerer) Spitzenwinkel konzentriert die Schnittkraft auf eine kleinere Fläche und erhöht damit die zum Vorschub des Bohrers ins Werkstück erforderliche Kraft. Ein flacherer (größerer) Spitzenwinkel verteilt die Schneidwirkung auf eine breitere Kontaktzone und reduziert die Vorschubkraft.
- Zentrierverhalten: Eine schärfere Spitze gräbt sich aggressiver ein, neigt jedoch dazu, vor dem Eingriff über die Oberfläche zu wandern (zu rutschen). Eine flachere Spitze mit Kreuzanschliff-Geometrie zentriert sich selbst, da die modifizierte Querschneide ab der ersten Umdrehung aktiv schneidet.
- Spanbildung: Der Spitzenwinkel beeinflusst Spandicke und -krümmung. Bei 118° sind die Späne am Außenrand dicker und in der Mitte dünner. Bei 135° ist die Spandickenverteilung gleichmäßiger, was die Spanabfuhr in Werkstoffen verbessert, die lange, fadenförmige Späne erzeugen.
Die zwei Standards
Auf dem Markt für HSS-Spiralbohrer dominieren zwei Spitzenwinkel: 118° und 135°. Diese sind nicht willkürlich — sie repräsentieren über Jahrzehnte industrieller Anwendung optimierte Geometrien. Andere Winkel (90°, 130°, 140°) existieren für Spezialanwendungen, doch 118° und 135° machen über 95 % der weltweiten HSS-Spiralbohrerproduktion aus.
Die 118°-Standardspitze
Der 118-Grad-Spitzenwinkel ist der älteste und etablierteste Standard für allgemeine Spiralbohrer. Er ist seit der Standardisierung des modernen Spiralbohrers im frühen 20. Jahrhundert der Standardspitzenwinkel und bleibt weltweit der Standard für Bohrer der Economy-Klasse.
Geometrie
Eine 118°-Spitze bildet einen relativ scharfen Konus. Im Zentrum dieses Konus sitzt die Querschneide — ein kurzer, stumpfer Grat, der die beiden Schneiden verbindet. Die Querschneide ist keine Schneidkante; sie erzeugt keine Späne. Stattdessen wirkt sie als Keil, der Material durch plastische Verformung verdrängt. An einem Standard-10-mm-Bohrer ist die Querschneide ungefähr 1,2–1,5 mm lang und macht etwa 50–65 % der gesamten Vorschubkraft beim Bohren aus.
Schnittmechanik
Wenn ein 118°-Bohrer das Werkstück berührt, trifft zuerst die Querschneide auf. Da die Querschneide nicht schneiden kann, muss sie durch axialen Druck in das Material gepresst werden. Dies verursacht zwei Probleme:
- Hoher Vorschubkraftbedarf: Der Bediener oder die Maschine muss erheblichen Abwärtsdruck aufbringen, um die Querschneide durch das Material zu drücken, bevor die Schneiden Späne erzeugen können. In harten Werkstoffen kann diese Kraft beträchtlich sein — ausreichend, um in leichten Tischbohrmaschinen Verbiegungen zu verursachen.
- Wandernde Tendenz: Auf glatten, ebenen Oberflächen neigt die Querschneide dazu, vor dem Eindringen seitlich zu rutschen. Aus diesem Grund ist beim Einsatz von 118°-Bohrern auf Metall traditionell ein Körnerschlag erforderlich — der Körnermarkierung erzeugt eine kleine Vertiefung, die die Querschneide einfängt und Wandern verhindert.
Vorteile von 118°
- Einfaches Nachschleifen: Die 118°-Standardspitze ist eine einfache konische Geometrie, die an einer Standard-Werkbankschleifmaschine oder mit einem Handnachschleifgerät bearbeitet werden kann. Keine Sondervorrichtungen oder CNC-Ausstattung erforderlich. Ein erfahrener Bediener kann eine 118°-Spitze in unter 30 Sekunden nachschleifen.
- Gut für weiche Werkstoffe: In Holz, Kunststoff und weichem Aluminium hilft die aggressive Querschneide tatsächlich — sie zieht den Bohrer in das Material und reduziert den Bedarf an manuellem Vorschubdruck. Die höhere Vorschubkraft ist kein Problem, da weiche Werkstoffe minimalen Widerstand bieten.
- Geringere Kosten: Das Schleifen einer einfachen 118°-Konusspitze ist schneller als das Schleifen eines 135°-Kreuzanschliffs, der einen zusätzlichen Schleifvorgang erfordert. Dies führt zu geringeren Stückkosten in der Produktion.
- Universelle Verfügbarkeit: Jeder Bohrerhersteller weltweit produziert 118°-Spitzen. Es ist der Standard — wenn ein Datenblatt den Spitzenwinkel nicht angibt, gehen Sie von 118° aus.
Einschränkungen von 118°
- Keine Selbstzentrierung: Erfordert auf Metalloberflächen einen Körnerschlag oder eine Vorbohrung.
- Hohe Vorschubkraft: Die Querschneide erzeugt 50–65 % der gesamten Vorschubkraft, was vergeudete Energie ist, die Wärme statt Späne erzeugt.
- Risiko der Kaltverfestigung: In Edelstahl und anderen austenitischen Legierungen erzeugt die Reibwirkung der Querschneide Wärme ohne zu schneiden, was lokale Kaltverfestigung verursacht und das anschließende Bohren noch erschwert.
- Schlecht auf gekrümmten Oberflächen: Die Wandertendenz macht 118°-Spitzen auf Rohren, Rohrleitungen und gekrümmten Blechen unzuverlässig.
Der 135°-Kreuzanschliff
Der 135-Grad-Kreuzanschliff ist die moderne Lösung für jede Einschränkung der 118°-Standardspitze. Er kombiniert einen flacheren Spitzenwinkel mit einer modifizierten Querschneidengeometrie, die das nicht schneidende Zentrum in eine aktive Schnittzone verwandelt.
Geometrie
Der Kreuzanschliff entsteht durch das Einschleifen einer Kerbe (oder eines Kerbenpaars) in die Querschneide des Bohrers. Diese Kerbe verlängert die Schneidengeometrie durch das Zentrum des Bohrers und erzeugt damit faktisch vier Schneidkanten statt zwei. Die ursprüngliche Querschneide wird gespalten — daher der Name — und durch zwei kleine sekundäre Schneiden ersetzt, die bis ins Zentrum des Bohrers Späne erzeugen.
Der eingeschlossene Winkel von 135° bedeutet, dass der Spitzenkonus flacher ist als bei einer 118°-Spitze. In Kombination mit der Kreuzanschliff-Modifikation erzeugt diese Geometrie ein dramatisch unterschiedliches Schnittverhalten.
Schnittmechanik
Wenn ein 135°-Kreuzanschliffbohrer das Werkstück berührt, beginnt das modifizierte Zentrum sofort zu schneiden. Es gibt keine tote Zone, keine Querschneide, die Material verdrängt, ohne zu schneiden. Das Ergebnis:
- 20–30 % geringere Vorschubkraft: Da das Zentrum schneidet statt extrudiert, wird der vergeudete Kraftanteil eliminiert. Dies ist auf einem Dynamometer messbar und in der Praxis signifikant — Bediener berichten von merklich leichterem Bohren, und dünne Werkstücke verformen sich oder beulen weniger.
- Selbstzentrierung: Die vier Schneidkanten greifen das Werkstück ab der ersten Umdrehung symmetrisch an. Der Bohrer wandert nicht — er beginnt genau dort zu schneiden, wo er platziert wird. Kein Körnerschlag erforderlich. Dies ist besonders wertvoll beim Bohren auf gekrümmten Oberflächen, abgewinkelten Flächen oder bestehenden, zu erweiternden Bohrungen.
- Reduzierte Kaltverfestigung: Da die gesamte Spitze schneidet (statt zu reiben), ist die Wärmeentwicklung im Zentrum geringer und gleichmäßiger verteilt. In Edelstahl ist dies der Unterschied zwischen erfolgreichem Bohren und einer glasierten, kaltverfestigten Oberfläche, die kein Bohrer mehr durchdringen kann.
Vorteile des 135°-Kreuzanschliffs
- Selbstzentrierend: Kein Körnerschlag oder Vorbohrung auf irgendeiner Oberfläche erforderlich, einschließlich Metall, gekrümmter Rohre und Bleche.
- Geringere Vorschubkraft: 20–30 % weniger Axialkraft erforderlich. Reduziert Bedienerermüdung, verbessert die Genauigkeit bei dünnem Material und verlängert die Lebensdauer der Maschinenlager im Produktionsbohren.
- Bessere Spanbildung: Gleichmäßige Spandicke über den gesamten Schneiddurchmesser erzeugt sauberere, gleichmäßigere Späne, die zuverlässiger abgeführt werden.
- Pflicht für Edelstahl: Die Beseitigung der reibenden Querschneide verhindert Kaltverfestigung — dies allein macht 135° zum einzig akzeptablen Spitzenwinkel für austenitischen Edelstahl.
- Geringeres Wandern auf Krümmungen: Die selbstzentrierende Wirkung macht 135°-Kreuzanschliffbohrer zuverlässig auf Rohren, Winkelstahl und gekrümmten Blechen, wo 118°-Spitzen abrutschen würden.
Einschränkungen des 135°-Kreuzanschliffs
- Schwieriger nachzuschleifen: Die Kreuzanschliff-Geometrie kann nicht an einer einfachen Werkbankschleifmaschine wiederhergestellt werden. Sie erfordert eine spezielle Kreuzanschliff-Schleifvorrichtung, einen Schleifautomaten vom Typ Darex oder eine CNC-Werkzeugschleifmaschine. Vielen Werkstätten fehlt diese Ausstattung, sodass ein abgenutzter 135°-Kreuzanschliffbohrer entweder zum professionellen Nachschleifen ausgelagert oder verworfen wird.
- Höhere Anschaffungskosten: Der zusätzliche Schleifvorgang zur Erzeugung des Kreuzanschliffs erhöht die Herstellungskosten gegenüber einer einfachen 118°-Spitze um 10–20 %.
- Weniger aggressiv in Holz: Die geringere Vorschubkraft und die selbstzentrierende Wirkung bedeuten, dass 135°-Bohrer sich nicht so aggressiv in weiche Werkstoffe einziehen wie 118°-Spitzen. In Holz ist dies selten ein Problem — aber in grünem oder feuchtem Holz mit hohem Widerstand bevorzugen einige Bediener den aggressiveren Biss von 118°.
Direkter Vergleich in tabellarischer Form
Die folgende Tabelle bietet einen direkten Vergleich von 118°-Standardspitze und 135°-Kreuzanschliffbohrern hinsichtlich der Parameter, die Beschaffungs- und Anwendungsentscheidungen am stärksten beeinflussen.
| Parameter | 118° Standardspitze | 135° Kreuzanschliff |
|---|---|---|
| Querschneide | Volle Querschneide — schneidet nicht | Gespalten — in Schneidkanten umgewandelt |
| Anzahl Schneidkanten | 2 | 4 (2 Haupt- + 2 Sekundärschneiden) |
| Vorschubkraft | Höher (Querschneide drückt, schneidet nicht) | 20–30 % geringer (Zentrum schneidet aktiv) |
| Selbstzentrierung | Nein — Körnerschlag bei Metall nötig | Ja — beginnt zu schneiden, wo platziert |
| Wandertendenz | Hoch auf glatten/gekrümmten Oberflächen | Minimal — auf allen Oberflächen zuverlässig |
| Edelstahl | Nicht empfohlen — verursacht Kaltverfestigung | Pflicht — verhindert Kaltverfestigung |
| Holz / weiche Werkstoffe | Ausgezeichnet — aggressiver Selbstvorschub | Gut — weniger aggressiver Einzug |
| Bleche | Schlecht — wandert, durchschlägt | Gut — kontrollierter Eintritt, weniger Verformung |
| Nachschleifaufwand | Einfach — Werkbankschleifer, 30 Sekunden | Schwierig — Vorrichtung oder CNC-Schleifer nötig |
| Herstellungskosten | Geringer (ein Schleifvorgang) | 10–20 % höher (zusätzlicher Spaltschliff) |
| Standard-HSS-Sorten | Einsteiger-HSS, M2 | M2, M35, M42 |
Welcher Winkel für welchen Werkstoff
Die Entscheidung über den Spitzenwinkel wird letztlich vom Werkstückmaterial bestimmt. Dieser Abschnitt bietet eine eindeutige Anleitung für die häufigsten Werkstoffe in der professionellen Bohrbearbeitung.
Holz (Weichholz, Hartholz, Sperrholz, MDF)
Empfohlen: 118°. Holz ist weich und faserig. Die aggressive Querschneide einer 118°-Spitze unterstützt den Selbstvorschub des Bohrers in den Werkstoff und reduziert den Bedarf an manuellem Druck. Wandern ist kein Problem, da Holz weich genug ist, damit die Spitze sofort einkratzt. Ein 135°-Kreuzanschliff funktioniert in Holz, bietet aber keinen nennenswerten Vorteil — sparen Sie ihn für Metall.
Baustahl (S235, A36, 1018, 1020, Q235)
Empfohlen: Beide — 135° bevorzugt. Beide Winkel funktionieren gut in Baustahl. Die 118°-Spitze erfordert für genaue Positionierung einen Körnerschlag, schneidet aber nach dem Eingriff effizient. Der 135°-Kreuzanschliff entfällt den Körnerschritt und reduziert die Vorschubkraft, was ihn zur produktiveren Wahl in Produktionsumgebungen macht. Beim Einsatz mit Handbohrmaschinen, wo ein Körnerschlag unpraktisch ist, wird 135° dringend bevorzugt.
Edelstahl (304, 316, 430)
Pflicht: 135° Kreuzanschliff. Hier gibt es keine Debatte. Die Querschneide einer 118°-Spitze reibt an der Edelstahloberfläche, ohne zu schneiden, und erzeugt Wärme, die sofortige Kaltverfestigung verursacht. Sobald die Oberfläche kaltverfestigt ist, haben selbst die Schneidkanten Mühe einzudringen. Der 135°-Kreuzanschliff eliminiert die Reibzone vollständig und ermöglicht eine kontinuierliche Spanproduktion vom Zentrum nach außen. In Kombination mit M35-Kobaltstahl ist dies die einzige Geometrie, die austenitischen Edelstahl zuverlässig bohrt.
Bleche (dünne Stärke, unter 3 mm)
Empfohlen: 135° Kreuzanschliff. Dünne Bleche sind besonders herausfordernd, da der Bohrer die Unterseite durchschlägt, bevor der volle Durchmesser an der Oberseite eingreift. Die hohe Vorschubkraft einer 118°-Spitze verschärft dies — sie drückt das Blech nach unten, erzeugt einen großen Austrittsgrat und verformt das Werkstück. Die geringere Vorschubkraft des 135°-Kreuzanschliffs erzeugt einen saubereren Durchbruch mit weniger Verformung. Für Bleche unter 1 mm sollten Sie stattdessen einen Stufenbohrer in Betracht ziehen.
Gusseisen (Grau-, Sphäroguss, Temperguss)
Empfohlen: 135° bevorzugt. Gusseisen erzeugt kurze, fragmentierte Späne statt langer Spiralen. Beide Spitzenwinkel funktionieren, doch die geringere Vorschubkraft des 135°-Kreuzanschliffs ist vorteilhaft, da Gussstücke häufig komplexe Bauteile sind, die hohe Spannkräfte nicht vertragen. Die Selbstzentrierung ist ebenfalls wertvoll beim Bohren von Gussoberflächen, die möglicherweise nicht vollständig eben sind.
Aluminium und Kupferlegierungen
Empfohlen: 118°. Weiche Nichteisenmetalle verursachen keine Kaltverfestigung und erzeugen bei beiden Winkeln handhabbare Vorschubkräfte. Der aggressivere Eingriff der 118°-Spitze ist in Aluminium ein Vorteil, das schmierig sein und sich an der Schneidkante aufbauen kann. Die etwas höhere Vorschubkraft hilft dem Bohrer, sauber zu schneiden statt zu schmieren. Verwenden Sie blanke (unbeschichtete) Bohrer — TiN-Beschichtung fördert das Verkleben mit Aluminium.
| Werkstoff | Empfohlener Winkel | Begründung |
|---|---|---|
| Holz / MDF | 118° | Aggressiver Selbstvorschub, geringe Kosten |
| Baustahl | 135° bevorzugt | Selbstzentrierend, geringere Vorschubkraft |
| Edelstahl | 135° Pflicht | Verhindert Kaltverfestigung |
| Bleche (<3 mm) | 135° | Geringere Vorschubkraft, saubererer Durchbruch |
| Gusseisen | 135° bevorzugt | Geringere Vorschubkraft auf Gussstücken |
| Aluminium | 118° | Bessere Spanabfuhr in schmierigem Material |
| Kupfer / Messing | 118° | Aggressiver Eintritt, weicher Werkstoff |
| Gehärteter Stahl | 135° Pflicht | Minimale Vorschubkraft, verhindert Glasieren |
Hinweise zum Nachschleifen
Die Standzeit endet nicht, wenn die Schneidkante stumpf wird — Nachschleifen kann die Leistung wiederherstellen und die nutzbare Lebensdauer eines Bohrers um 3–5 Zyklen verlängern. Allerdings beeinflusst die Spitzenwinkelgeometrie maßgeblich, wie einfach oder schwierig das Nachschleifen ist.
Nachschleifen von 118°-Spitzen
Eine 118°-Standardspitze ist eine der einfachsten Werkzeuggeometrien zum Nachschleifen. Die Anforderungen sind minimal:
- Ausstattung: Eine Standard-Werkbankschleifmaschine mit einer Aluminiumoxid-Scheibe (60–80er Körnung für HSS) oder eine spezielle Bohrer-Nachschleifvorrichtung (Drill Doctor, Darex oder ähnlich).
- Technik: Halten Sie den Bohrer in einem Winkel von etwa 59° zur Schleifscheibenfläche (Hälfte von 118°) und drehen Sie ihn gleichmäßig, um beide Schneiden auf gleiche Länge und gleichen Winkel zu schleifen. Mit einer Bohrerprüflehre kontrollieren.
- Zeit: 20–60 Sekunden pro Bohrer für einen erfahrenen Bediener.
- Erforderliches Können: Mittel. Die Hauptherausforderung ist die Beibehaltung gleicher Schneidlängen — ist eine Schneide länger als die andere, schneidet der Bohrer eine übergroße Bohrung und verschleißt ungleichmäßig.
Nachschleifen von 135°-Kreuzanschliffen
Das Nachschleifen eines 135°-Kreuzanschliffs ist erheblich schwieriger, da die Kreuzanschliff-Modifikation ein sekundärer Schleifvorgang ist, der präzise reproduziert werden muss.
- Ausstattung: Eine Kreuzanschliff-Schleifvorrichtung, ein Darex XT-3000 oder ein vergleichbarer professioneller Bohrernachschleifer oder eine CNC-Werkzeugschleifmaschine. Eine Standard-Werkbankschleifmaschine kann die Kreuzanschliff-Kerbe nicht erzeugen — sie kann nur die konische Spitze schleifen.
- Die übliche Behelfslösung: Viele Werkstätten schleifen nur die konische Spitze nach (135°-Winkel und Schneidsymmetrie wiederherstellend), ohne die Kreuzanschliff-Kerbe zu rekonstruieren. Dies erzeugt eine 135°-Standardspitze — besser als ein stumpfer Kreuzanschliff, aber ohne die Selbstzentrierung und reduzierte Vorschubkraft der ursprünglichen Geometrie.
- Professionelles Nachschleifen: Spezialisierte Werkzeug-Nachschleifdienste können die Kreuzanschliff-Geometrie mit CNC-Schleifern vollständig wiederherstellen. Die Kosten betragen typischerweise 1–3 USD pro Bohrer, was für M35-Kobaltbohrer mit 5–15 USD Stückpreis wirtschaftlich ist, jedoch nicht für Economy-M2-Bohrer.
- Zeit: 2–5 Minuten pro Bohrer auf einer Vorrichtung oder einem professionellen Nachschleifgerät.
- Erforderliches Können: Hoch. Falsches Kreuzanschliff-Schleifen kann eine asymmetrische Spitze erzeugen, die den Bohrer übergroß schneiden oder wandern lässt.
Die Wirtschaftlichkeitsrechnung
Bei Economy-M2-Bohrern mit Zylinderschaft (DIN 338, Größen 1–13 mm) übersteigen die Kosten für professionelles Nachschleifen häufig die Kosten eines Ersatzbohrers. In diesem Fall haben 118°-Spitzen einen wirtschaftlichen Vorteil, da der Endanwender sie mit minimaler Ausstattung intern nachschleifen kann.
Bei Premium-M35-Kobaltbohrern und Bohrern mit Kegelschaft (DIN 345) sind die Ersatzkosten hoch genug, dass professionelles Nachschleifen selbst für 135°-Kreuzanschliffe wirtschaftlich gerechtfertigt ist. In diesem Segment ist die Nachschleifbarkeit kein entscheidender Faktor.
Warum Kobaltbohrer stets 135° verwenden
Wenn Sie die Produktkataloge eines beliebigen großen Bohrerherstellers durchsehen — Dormer, Guhring, Nachi oder Zhonghuan — werden Sie feststellen, dass M35- und M42-Kobaltbohrer fast ausnahmslos mit 135°-Kreuzanschliff-Geometrie angeboten werden. Dies ist keine Marketingkonvention. Es ist eine technische Notwendigkeit, diktiert durch die Werkstoffe, für deren Bearbeitung Kobaltbohrer konzipiert sind.
Die Physik von Kobalt + Edelstahl
M35-Kobaltbohrer existieren primär, um ein Problem zu lösen: das Bohren von Edelstahl und anderen austenitischen Legierungen, die unter dem Schneidwerkzeug kaltverfestigen. Der Kobaltgehalt (5 % bei M35, 8 % bei M42) liefert die Warmhärte, die zur Aufrechterhaltung einer scharfen Schneidkante bei den durch die geringe Wärmeleitfähigkeit von Edelstahl erzeugten erhöhten Temperaturen erforderlich ist.
Doch Kobalt allein reicht nicht. Auch die Spitzengeometrie muss für die spezifischen Herausforderungen von Edelstahl optimiert sein:
- Edelstahl erfordert kontinuierliches Schneiden. Jede Pause in der Spanbildung — jeder Moment, in dem das Werkzeug reibt statt schneidet — löst Kaltverfestigung aus. Die Querschneide einer 118°-Spitze schafft genau diese Bedingung: eine Reibzone im Zentrum des Bohrers, die Wärme erzeugt und die Oberfläche härtet. Der 135°-Kreuzanschliff eliminiert die Reibzone vollständig.
- Edelstahl erzeugt hohe Schnitttemperaturen. Die geringe Wärmeleitfähigkeit von austenitischem Edelstahl (etwa 16 W/mK gegenüber 50 W/mK bei Kohlenstoffstahl) bedeutet, dass sich Wärme an der Schneidkante konzentriert, statt in das Werkstück abgeleitet zu werden. Die 20–30 % Vorschubkraftreduktion des Kreuzanschliffs verringert direkt die Wärmeerzeugung im Zentrum des Bohrers, wo die Kühlung am schlechtesten ist.
- Kobaltbohrer sind härter und spröder. M35 mit HRC 65–67 hat weniger Zähigkeit als M2 mit HRC 63–65. Die höhere Vorschubkraft einer 118°-Spitze bedeutet höhere mechanische Belastung der Schneidkanten. Kombiniert mit der thermischen Belastung durch die Wärmeretention von Edelstahl ist ein 118°-Kobaltbohrer einem höheren Risiko von Schneidausbrüchen oder katastrophalen Brüchen ausgesetzt als derselbe Bohrer mit 135°-Kreuzanschliff.
- Selbstzentrierung verhindert Fehlanläufe. Beim Bohren von Edelstahl gibt es keine zweite Chance. Wenn der Bohrer über die Oberfläche wandert, kaltverfestigt er eine Spur, die er anschließend nicht mehr durchdringen kann. Die Selbstzentrierung des 135°-Kreuzanschliffs gewährleistet, dass der Bohrer beim ersten Versuch sofort und korrekt eingreift.
Die Sicht des Herstellers
Aus Herstellersicht ist das Anbringen des 135°-Kreuzanschliffs an Kobaltbohrern ein geringer zusätzlicher Aufwand (der Kreuzanschliff-Schleifvorgang), der ein weit größeres Problem verhindert: Kundenreklamationen und Rücksendungen von Anwendern, die Edelstahl nicht bohren können, weil die falsche Spitzengeometrie geliefert wurde. Jeder verantwortungsvolle Hersteller schleift Kobaltbohrer standardmäßig mit 135°-Kreuzanschliff — es ist eine technische Anforderung, kein Upselling.
Gibt es 118°-Kobaltbohrer?
Einige Hersteller bieten M35-Kobaltbohrer mit 118°-Standardspitze als Sonderbestellung an. Diese werden typischerweise von Käufern angefordert, die die Wärmebeständigkeit von Kobalt für Anwendungen außerhalb von Edelstahl wünschen — etwa beim Bohren gehärteten Baustahls oder Hochtemperaturlegierungen in einer Drehmaschine, in der zuvor ein Zentrierbohrer eingesetzt wird. Für den allgemeinen Markt und jede Anwendung mit Edelstahl ist 135°-Kreuzanschliff jedoch der universelle Standard für Kobaltbohrer.
Bei Zhonghuan werden sämtliche M35- und M42-Kobalt-Spiralbohrer — sowohl mit Zylinderschaft als auch mit Kegelschaft — standardmäßig mit 135°-Kreuzanschliff als Standardgeometrie ausgeliefert. Wir bieten 118°-Kobaltbohrer nicht als Standardkatalogartikel an, weil wir glauben, dass die Lieferung einer suboptimalen Geometrie für die vorgesehene Anwendung den Interessen unserer Kunden nicht dient.
Verwandte Beschaffungsprogramme
Wenn Sie diese Produktlinie fuer Distributoren, Importeure oder Private-Label-Kanaele beschaffen, decken diese OEM- und Grosshandelsprogramme die naechsten typischen Fragen ab.
- HSS-Spiralbohrer Grosshandel und OEM fuer Metallbearbeitung — HSS-Spiralbohrer Grosshandel und OEM: M2, M35 Kobalt, DIN 338, DIN 345, Schwarzoxid, TiN, Sets und Verpackung.
- Matrix fuer Metallbearbeitung und Blechbohren — Beschaffungsmatrix fuer Stahlbau, Schaltschranke, HVAC-Blech und Karosserie: HSS, M35, Morsekegel, Stufenbohrer, Lochsaegen, Punktschweissbohrer und RFQ.